Judas - am 15. April um 9:30 Uhr in der Kreuzkirche

Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr wurde das Stück auch in der Saison 2017/2018 vom Schauspielhaus wieder aufgenommen.

Zum Stück

Die Entstehung einer Religion gleicht einer Revolution: eine Massenbewegung, die aus einer konkreten historischen Situation heraus den Zustand der Welt zum Besseren verändern will. Und einer, der wissen muss, wie das alles ganz am Anfang des Christentums war, ist Judas. Die flämische Autorin Lot Vekemans bietet in ihrem Monolog der Ikone des Verrats ein Plenum und macht einen dramaturgisch wichtigen Nebencharakter zum Hauptdarsteller. Fast zwei Jahrtausende nach seiner Tat präsentiert sich Judas als Theaterfigur, lässt uns teilhaben an den Geschehnissen. Der Text ist Augenzeugenbericht, Verteidigungsrede, Image- Kampagne und Eingeständnis von demjenigen, der „schwärzer wurde als schwarz“, eil alle anderen die Schuld am Tod des Messias auf ihn abladen konnten, unter dem Motto: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“

Judas erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Er spricht über seine Wut, seine Enttäuschung und seine Sehnsüchte, ohne die Verantwortung für sein Handeln zu leugnen. Ist es der Versuch eines Schuldbekenntnisses oder eher einer Rechtfertigung? War er ein Werkzeug oder ein Opfer des Schicksals? Was waren die Gründe, die hinter seinem Tun standen? Wie wäre die einfluss- und folgenreichste Geschichte des christlichen Abendlandes weitergegangen, wenn er Jesus nicht verraten hätte? Inzwischen ist das Christentum die größte weltumspannende Religion, 32% der Weltbevölkerung und mehr als 6 Millionen Österreicher*innen sind christlich getauft. Die imposanten Kirchengebäude, die unsere Städte und Gemeinden architektonisch mitprägen, sind sichtbares Zeugnis der geistlichen Kraft und des Selbstbewusstseins dieser Religion, die in ihrer langen Geschichte auch dunkle Kapitel hat, die zum aufgeklärten Christentum gehören. Und so verdankt sich diese Inszenierung auch dem Interesse zahlreicher Kirchenverantwortlicher an einer ungewöhnlichen Form der Auseinandersetzung: „Judas“ wird ausschließlich in Kirchen gezeigt, die mit ihrer speziellen Atmosphäre und Geschichte zu wichtigen Mitspielern in dieser Inszenierung werden.

Lot Vekemans (Autorin)

Lot Vekemans, geboren 1965 in den Niederlanden, studierte Soziale Geografie an der Reichsuniversität Utrecht und absolvierte die Ausbildung zur Dramatikerin an der Akademie für Autoren ’t Colofon in Amsterdam. Seit 1995 verfasst sie zahlreiche Stücke, u. a. „Truckstop“, „Fremde Vögel“, „Schwester von“ und „Judas“, für die sie mehrfach Auszeichnungen erhielt. Seit 2004 hat sie ihre eigene Theatergruppe „Stiftung M.A.M.“ (Mehrere Antworten Möglich). Für das Stück „Gift. Eine Ehegeschichte“ erhielt sie den Taalunie Toneelschrijfprijs 2010, den Preis für das beste aufgeführte Stück in den Niederlanden, für „Judas“ wurde sie jüngst mit dem Ludwig-Mülheims-Preis 2016 für religiöse Dramatik ausgezeichnet.

Markus Kubesch (Regisseur)

Markus Kubesch wurde 1983 in Salzburg geboren, besuchte ein Musikgymnasium in Wien. 2006 schloss er ein Wirtschaftsstudium ab, 2012 ein Regiestudium am Mozarteum. Er war als Regieassistent am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Theater Neumarkt in Zürich engagiert. Seit der Spielzeit 2013.2014 arbeitet er freischaffend. Bisherige Arbeiten führten ihn ans Theater Neumarkt in Zürich, ans Konzert Theater Bern sowie in die freie Szene in Graz, München und Wien. Im Kollektiv kubeSCHüssler entwickelt er zusammen mit der Dramatikerin und Regisseurin Nora Schüssler eine Städte-übergreifende Serie von Arbeiten unter dem Übertitel »Ein Europäisches Märchen«.

Fredrik Jan Hofmann (Schauspieler)

Fredrik Jan Hofmann wurde 1977 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Schauspiel am Max Reinhardt Seminar in Wien und war während dem Studium bereits am Staatstheater Mainz, am Théâtre National du Luxembourg und an den Ruhrfestspielen in Recklinghausen engagiert. Dem folgten Engagements am Theater Heidelberg und am Theater Aachen. Seit 2009 ist er freier Schauspieler und war am Theater St. Gallen, am Schauspielhaus Köln, am Theater Rampe und an der Oper Dortmund sowie in diversen Fernsehproduktionen tätig. Seit der Spielzeit 2015.2016 ist Fredrik Jan Hofmann festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Graz. In der Spielzeit 2016.2017 war er in der Rolle des Ossip in „Der Revisor“ von Nikolaj Gogol in der Regie von Stephan Rottkamp in „Secondhand-Zeit“ von Swetlana Alexijewitsch in der Regie von Alia Luque zu erleben.

RegieMarkus Kubesch
Bühne und Kostüme  Vibeke Andersen
DramaturgieElisabeth Geyer
MitFredrik Jan Hofmann

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