Für daheim: Andacht 21.6.2020

© Barbara Lazar, Graz-Kreuzkirche

 

Wochenspruch

Kommt her alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.

 

Ihr Lieben!

Wir haben in unserem Presbyterium beschlossen, dass es in Zukunft zumindest zweimal im Monat eine Andacht geben soll, die auch digital verfügbar ist: Einmal im Monat werde ich sie in Zukunft schreiben, und einmal unsere Lektorin Friederike Girolla. Damit wollen wir dem Wunsch und den Rückmeldungen nach einer Weiterführung der Für-daheim-Sonntagsandachten Rechnung tragen. Wir hoffen, dass diese Andachten auch für jene eine besondere Hilfe sind, für die der Gottesdienst aus welchen Gründen auch immer im Moment oder an manchen Sonntagen nicht möglich ist. So geschehe Euer Lesen dieser Andacht im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen

 

Psalm 36

Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht ist wie die große Tiefe. Herr, du hilfst Menschen und Tieren. Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne, wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

 

Gebet: Du Gott der Liebe, Güte und Barmherzigkeit, Du kennst unsere Grenzen, unsere Schwächen und alle, was uns herausfordert – und Du hilfst und auf, Du erfrischt uns durch den Strom deiner Liebe und Kraft und durch das Wirken Deines Heiligen Geistes. Schenke uns Zuversicht, dass damit unser Leben gelingt und wir aus Deiner Hand alles empfangen, was wir brauchen. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, der mit Dir und dem Hl.  Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit, amen.

 

Predigt über Matthäus 11,25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohl gefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

 

Ihr Lieben,

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will Euch erquicken! Allein dieser Satz könnte wie eine Überschrift über Jesu ganzem Wirken stehen: Es war eine Einladung an alle Menschen seiner Zeit: An die Kranken, Blinden und Aussätzigen, an Frauen, Witwen und Waisen genauso wie an alle Suchenden und für Neues Offene. Die Menschen kamen in Scharen zu ihm, denn Mühsale und Belastungen gab es viele. Und Jesus, in dem die Liebe, seines himmlischen Vaters übersprudelte, schenkte den Menschen „Erquickung“, wie es hier heißt: Er schenkte den Menschen seine ganze Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung, ohne Ansehen der Person. Er berührte und heilte sie, er schenkte ihnen Hoffnung und neue Kraft.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will Euch erquicken! Dieser einladende Ruf Jesu dringt bis in unsere Zeit, und ergeht heute auch an uns. Ja, auch wir kennen Mühseligkeit und Beladensein. Wir haben gerade erst die Wochen der Corona-Pandemie zumindest in unserem Land mehr oder weniger überwunden, und die hatten es an Mühsal und Beladensein nur so in sich. Für viele ist das Leben trotzdem noch nicht wieder was es war: Operationen, auf die man lange warten muss, Schichtunterricht in der Schule, viele Betriebe kämpfen mit massiven Auswirkungen… Auch wir haben Erquickung, Stärkung und neue Hoffnung nötig!

Dann aber scheinen Jesu Worte auf´s erste hin wie ein Widerspruch zu klingen: Nehmt mein Joch und lernet von mir; Ein Joch auf uns nehmen, Jesus? Welches Joch sollen wir also auf uns nehmen? Im Judentum zur Zeit Jesu verstand man darunter das jüdische Gesetz, das Menschen mit 365 Verboten und 248 Geboten den gesamten jüdischen Alltag und v.a. auch das religiöse Leben regelte. Dieses Gesetz galt als die Richtschnur für ein Gott gefälliges Leben schlechthin. Und dann tritt Jesus auf den Plan… Ins Judentum hineingeboren und darin aufgewachsen und erzogen kennt er das Gesetz genau – und zeitlebens ist es für ihn heilig und gut. Aber seine Auslegung des Gesetzes ruft bei den religiös strengen Pharisäern und Schriftgelehrten Stürme der Empörung hervor: Jesus heilt am Sabbat – und erklärt, dass der Sabbat für den Menschen, und nicht der Mensch für den Sabbat gemacht ist. Eine Frau, der, vermutlicher Weise völlig zu Unrecht, die Steinigung droht rettet er, in dem er die religiöse Elite mit einem einzigen Satz bloßstellt: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Die Liste der radikalen Neuinterpretation der Thora durch Jesus ließe sich noch lange fortsetzen. Als ein Schriftgelehrter Jesus fragt, was das wichtigste Gesetz ist, antwortet Jesus ihm mit dem Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüt, und deinen nächsten wie Dich selbst“. Darin unterscheidet sich Jesus von anderen so elementar, wenn er von „seinem“ Joch redet: Er stellt die Gültigkeit des für ihn heiligen Gesetzes niemals in Frage. Aber es kann nicht durch tote Buchstaben, die andere knechten oder niederdrücken, sondern nur durch radikale Gottes- Nächsten- und auch Selbstliebe erfüllt werden. Das ist neu, das ist revolutionär. Das bringt die religiösen Anführer seiner Zeit in Bedrängnis. Aber das ist so attraktiv, das tut den Menschen so unglaublich wohl, das ist für sie so befreiend und heilsam, weil Jesus durch diese so kompromisslos gelebte Liebe nicht herrscht, sondern dient. Deshalb sagt Jesus: Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Lernt von mir. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Ist es ein leichtes Joch? War es für Jesus eine leichte Bürde? Einerseits ja: Getragen von der innigen tiefen Verbindung mit seinem himmlischen Vater. Jesus ist die sichtbar gewordene Liebe Gottes und er verbreitet sie in Wort und Tat wie und wo auch immer er kann. Andererseits machte diese bedingungslose Liebe, Jesus das Leben schwer und schließlich sogar gefährlich da er es mit dem Neid derjenigen, die mit ihrem Herrschafts- und Machtanspruch das Sagen haben wollen, zu tun bekam.

Liebe leben ist einerseits kein schweres Joch. Ob es die Liebe zwischen liebenden Erwachsenen, Partnern und Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern oder auch die Liebe zu langjährigen treuen Freunden ist – sie fließt uns aus dem Herzen. Trotzdem hat diese gelebte Liebe auch ihren Preis. Sie verlangt von uns oftmals auch Toleranz, Rücksichtnahme auf andere, das Zurückstellen von eigenen Bedürfnissen und das Beachten und Respektieren von anderen neben uns. Ob es die Liebe zwischen Partnern, Kindern, der liebevolle Umgebung mit Freunden, Arbeitskollegen, oder der Einsatz für Unterdrückte ist. Liebe fordert unsere Zeit, unseren Einsatz, ja sie fordert uns manchmal ganz. Aber, so sagt Jesus, wenn ihr so lebt, sagt Jesus, dann werdet ihr Ruhe finden für Eure Seelen. Dann leben wir am Herzschlag Gottes, dann fließt uns die Kraft zu, die Jesu gesamte Mission geprägt hat; dann finde ich in mir zur Ruhe. Denn dann schließt sich der Kreis zu dem, wie unser Jesuswort heute begonnen hat: Kommt alles zu mir, die ihr mühselig und beladen seid – ich will Euch erquicken. Amen.

 

Vaterunser:

 

Segen:

Gott segne dich und behüte dich

Er tröste Dich in Trübsal, stärke Dich in den Herausforderungen des Lebens und schenke Dir frischen Mut und neue Kraft, wenn Du mühselig und beladen bist. Er schenke Dir Zuflucht unter dem Schatten seiner Flügel und verleihe Dir Ruhe und Frieden, wenn Dein Herz sich ängstigt.

So segne Dich der gütige Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist.

Amen.

 

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Wenn Sie möchten/du magst, können Sie/kannst gerne mit mir in Kontakt treten.

Pfarrerin barbara.lazar@gmx.net bzw. 0676/603 67 84,

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